Räuberbanden-Titelcover



Joachim Lehrmann


Räuberbanden
zwischen Harz und Weser

Braunschweig, Hannover, Hildesheim...
und Südniedersachsen



Vorwort
Einst verbreiteten sie Angst und Schrecken, zumal in der Zeit der Postkutschen und der großen Wälder, denn ihr Name steht oft heute noch als Synonym für Meuchelmord, Straßenraub und heimtückische Bluttaten, abenteuerliche Überfälle und Gewalt nach eigenem Gusto. Zu diesem Bild gehören naturgemäß die ewige Auseinandersetzung mit der oft vergeblich fahndenden Obrigkeit und ein manchmal überraschend schnelles, aber gleichwohl spektakuläres Ende.

Gangster gab es zu allen Zeiten mehr als genug. Sie gehören zu unserer Kultur - um einmal Goethe zu zitieren - wie die Laus zum Ganzen. Doch organisierte Räuberbanden stellen gegenüber der üblichen Kriminalität stets ein besonderes sozial- und kulturgeschichtliches Phänomen dar.

Ihre Geschichte verspricht dem Leser gewiss nicht viel weniger Spannung als ein Kriminalroman. Dennoch ist es seltsam, wie wenig über unsere Räuberbanden in der moderneren Literatur bekannt ist. Selbst in den wenigen dickleibigen Standardwerken findet sich eigentlich über Räuberbanden im Raum zwischen Harz und Weser - selbst unter Einbeziehung der Großstädte Hannover, Braunschweig und Hildesheim - beinahe nichts.

Jedenfalls zeigt die jetzt vorliegende Darstellung, dass auch unsere Region am deutschen Räuberbandenwesen seinen lebhaften Anteil hatte und auch nicht so wesentlich an Begebenheiten Mangel litt, die etwa an das Wirtshaus im Spessart erinnern etc. - eine allemal spannende Geschichte!

Wer weiß schon von hiesigen Räuberbanden und ihren manchmal internationalen Verbindungen zu Berühmtheiten in diesem frevelhaften Metier? Wer hat schon Näheres von hiesigen großen Räuberbanden gehört, beispielsweise in und um Peine? Nicht nur hier herrschte eine Bande, die eine weite Umgebung kontrollierte und terrorisierte, die vor Mord und Totschlag keineswegs zurückschreckte, und deren Zerschlagung zu Massenhinrichtungen führte, die sich hinter jener des Schinderhannes und seiner Raubgenossen nicht verstecken müssen.
Auch bei uns wurden verschiedentlichen Orts sonst friedliche Bauern - in Friedenszeiten, wohlgemerkt - zu wilden Barbaren, brandschatzten, mordeten, nahmen Geiseln und versetzten ganze Landstriche in Angst und Schrecken. Andere erklärten aus eigener Machtvollkommenheit heraus großen Städten die Fehde. Und immer einmal wieder kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie bei ihrem blutrünstigen Tun noch unter obrigkeitlichem Schutz handelten - Freibeuter wie im Film?

Immer noch recht populär ist zweifellos Hannovers berüchtigter Raubmörder Hanebuth und seine Bande, doch wer ahnt schon, dass dieser in unserem Raum gar nicht einmal die große Ausnahme darstellt?
Hanebuth lebt im Bewusstsein der Hannoveraner fort. Den Hanebuthsblock in der Eilenriede, einst einer Wildnis, die Angst und Beklemmung verbreitete, kannte einmal jedes Kind. Ihm zu Ehren hat man in seinem Geburtsort, dem hannoverschen Stadtteil Groß-Buchholz, sogar eine Straße nach ihm benannt.
In den Dienst des Fremdenverkehrsverbandes Elm-Lappwald wurde auch der Helmstedter Räuberhauptmann Rose gespannt - den Rächer der Enterbten und Entrechteten dürfen wir in ihm dennoch nicht vermuten.
Hier sei ferner des Gentleman-Gangsters Nickel List - (bei uns) noch ohne Denkmal - gedacht, der zu Recht zu den großen deutschen Räubern gezählt wird. Er war nicht nur in unserer gesamten Region mit seiner Bande in großem Stile tätig, sondern galt sogar als Vorbild für eine modernere Räuber-Generation, die mit mehr Finesse und Listigkeit vorging - der Rennbaum oder Rammbock, ein typisches Requisit der herkömmlich arbeitenden Kollegen, hatte bei seiner Methode beinahe ausgedient. Selbst in Zedlers Universallexikon hat dieser Räuber Eingang gefunden.

Und wenn schon die hannoversche Figur des Massenmörders Fritz Harmann (wir behandeln ihn nicht) in gleich mehreren Büchern und selbst noch Filmen mit prominenter Besetzung gewürdigt wird, dann ist es nicht so abwegig, das durchaus kurzweilige Szenario der nicht minder „großartigen heimischen Mordbuben, Erzgauner und ihrer Zunftgenossen aufleben zu lassen.
Der aktionenreiche Wandel unserer Banden in der Geschichte des deutschen Räubertums wird wohl einen jeden in seinen Bann ziehen, zumal sich auch bei uns zu allen Zeiten leuchtende Repräsentanten aus der Zunft des Rabenfutters finden.
Dieserartige Impressionen aus der „guten alten Zeit versprechen allemal eine spannende Lektüre!


Aus dem
INHALTSVERZEICHNIS
Räuber waren nicht immer so schlecht angesehen
Frommer Raub
Zum alltäglichen Krieg des Mittelalters
- Fehdewesen / Raubrittertum - einige Schlaglichter
Räuber-Lippold-Höhle
- eine Legende -, mehr nicht?
Ziegenmeyer wütet am Harz/ Konträre Rechtsauffassung
Vernekahl und die vierzig Räuber
- raubend und brennend zogen sie durchs Hildesheimer Land
Mordbrennerbanden - Freibeuter im Auftrage des Herzogs?
Schwere Jungs und ihr missliches Ende
Kirchenräuber bei Einbeck - ihre Frauen als Hexen verbrannt
Vor der Harzbande kuschte selbst der Graf
Der berüchtigte Cordes und sein unglaublicher Kumpan
Bärenhäuter Grone liegt auf der Lauer
Die große Peiner Straßenräuber-Bande
Landverderbliches Kriegsunwesen
- Die Banden der Harzschützen
- Der beschriene Rittmeister Levin Sander
Jaspar Hanebuth
- Hannovers berühmter Raubmörder schrecklichen Andenkens
Hildesheimer Knabenraub
Straßenraub auf offener Heerstraße
Übergang zur Neuzeit
Nickel List - einer der großen Räuber
- in Niedersachsen trat er als Freiherr von der Mosel auf
- Zu den im Raum Wunstorf verübten Delikten
- Aber unseren Gangstern stand der Sinn nach Höherem
- Warnschreiben an die Churfürstliche Durchlaucht in Hannover
- Einbruch in den Hamburger Dom
- Einbruch in die St. Katharinen-Kirche zu Braunschweig
- Die Beraubung der Güldenen Tafel zu Lüneburg
- Der Brief eines Denunzianten
- Der letzte Ritt
- Die Überführung der Gefangenen nach Celle
- Die große Inquisition zu Celle
- In Celle hatte man dennoch keinesfalls alle Komplizen zusammen
- Die Räuberbraut
- Das fürwahr peinliche Halsgericht
- Das Strafregister des Nickel List
Die Mordbuben von Rehburg
Allerlei Mordtaten
Hexenwahn genutzt, um Raubmord zu kaschieren
Eine riesige Räuberbande ante portas
Zur Franken- oder Hessischen Bande
Das Blutgericht über die Hohnsteinsche- und Barbissche Bande erfolgte in Hannover
Die Scharzfelder Zigeuner- und Räuberbande - in Hannover gerichtet
Die Wackermaulsche Bande
Überfälle auf Postkutschen
Aaron Levi und Komplizen
Die Brade-Bande hatte ihr Hauptquartier in Peine
Die Masemann-Bande
Einige Signalements
Hannoversche Anzeigen
Die Große Bande der Hartings
Die Diemelbande des Liborius Pollmann
Leyser Polack hielt sich auch in Hildesheim auf
Auch die Raubbande des Itzig Muck beehrte unsere Gegend
Theodor Unger - der Schöne Karl
Erdmann und Rammelsberg verunsicherten das Braunschweigische
Schöppenstedt als Räuberhort
Die Klaprothsche Bande
Die Bande des Johannes August Sippel
Und noch ein Kutschenüberfall im Harz
Der Raubmord auf der Mühle zu Oelber
Die Helmstedter Rose-Bande
Bezüge zu großen deutschen Räubern
Räuberbanden - Konkurrenzgebilde zur bestehenden Ordnung?
Gesellschaftliche Besonderheiten
Hass auf die etablierte Gesellschaft - Räuber von Gott geschickt?
Bösartige Störer der göttlichen Ordnung
Rettung aus Satans Stricken
Besondere Fertig- und Fähigkeiten unserer Gauner
Gaunersprache und besondere Zeichen
Experten in vielerlei Spezialdisziplinen
- Weibliche Spezialdisziplin
- Opfer mit Daturasaft außer Gefecht gesetzt
- zur Überstehung der Tortur
- um dem Kerker zu entfliehen
Das sogenannte Festmachen
Zur Subkultur des Vagantenunwesens
Und wie nahm sich der Staat dieses Problems an?
- Hannoversche- und Braunschweigische Landesverordnungen
- Kopfgeld in Blankenburg
Zum Strafverfahren
Gaunertum und Strafverfolgung waren einem Wandel unterzogen



2004, 304 S. 31 Abb.
ISBN 978-3-9803642-4-9
Preis: 14,90 € (inkl. 7% Mwst. zuzügl. Versandkosten, s. AGB)
Lehrmann-Verlag
Inh.: Mareile Lehrmann
Sandweg 2
31275 LehrteTel.: 05175 / 5102
Fax: 032-1212-680-86
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